Silikonfugen im Bad erneuern: Wann, wie oft und was kostet es?
Wann Silikonfugen ersetzt werden müssen, warum sie nicht unter die Gewährleistung fallen, wie Fachleute vorgehen und wie die Arbeit abgerechnet wird.
Wann neue Platten auf den alten Belag geklebt werden können, wann im Bad der Rückbau nötig ist und was das Entfernen alter Platten kostet.
Neue Platten direkt auf die alten zu kleben, spart Rückbau, Lärm, Schutt und Zeit. Ob das geht, hängt aber nicht vom Wunsch nach einer schnellen Renovation ab, sondern vom alten Belag: Er muss fest haften, tragfähig und eben sein, die zusätzliche Höhe muss an Türen und Anschlüssen Platz haben, und im Bad muss unter dem neuen Belag eine funktionierende Abdichtung entstehen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist der Rückbau die sichere und am Ende oft günstigere Lösung.
Die Devisierungs- und Ausmassrichtlinien von Ceruniq, dem Verband der Verlegeunternehmen (ehemals Schweizerischer Plattenverband), gehen davon aus, dass Plattenbeläge im Dünnbett auf konventionellen zementgebundenen Grundputz, Zementüberzug oder zementgebundenen Estrich geklebt werden – sofern im Leistungsverzeichnis nichts anderes steht. Auch die Muster-AGB des Verbands setzen diesen Untergrund voraus, wenn er nicht anders definiert ist.
Ein alter Plattenbelag ist also ein besonderer Untergrund, und das hat Folgen für Offerte und Ausführung:
Vor einer Offerte für «Platten auf Platten» sollte der Betrieb den alten Belag prüfen. Typische Punkte sind:
Platten und Fugen sind nicht wasserdicht; das halten die Muster-AGB mit Verweis auf SIA 248 ausdrücklich fest. In Duschen und um Badewannen schützt deshalb eine Abdichtung unter dem Belag die Bauteile. Nach dem Ceruniq-Merkblatt zu Verbundabdichtungen werden Böden in wasserbelasteten Räumen vollständig und die spritzwasserbelasteten Wandbereiche raumhoch abgedichtet; der Übergang von Wand zu Boden erhält ein Dichtband.
Für diese Abdichtung verlangt das Merkblatt saubere, trockene, staubfreie und tragfähige Untergründe. In seiner Tabelle der zulässigen Untergründe für Plattenbeläge (Kapitel 7.2) sind Kalkzement- und Zementputze, Beton, Zement- und Kunstharzestriche, Calciumsulfatestriche sowie verschiedene Bauplatten aufgeführt – ein bestehender Plattenbelag steht dort nicht. Ob und mit welchem System ein Altbelag im Nassbereich trotzdem abgedichtet werden kann, ist deshalb eine Frage für den Systemhersteller und den Plattenleger, nicht eine Selbstverständlichkeit.
Dazu kommt das Gefälle: Duschböden brauchen laut Merkblatt mindestens 1,5 Prozent Gefälle auf Abdichtungsebene und Plattenoberfläche. Ein neuer Belag auf einem alten Duschboden muss dieses Gefälle übernehmen, und der Ablauf muss zur neuen Höhe passen.
In der Praxis heisst das: Für Wände ausserhalb der Spritzwasserbereiche oder für Böden in trockenen Räumen ist das Überkleben eher eine Option als für Dusche und Badewannenbereich. Wer eine bodenebene Dusche plant, kommt um den Rückbau meist ohnehin nicht herum, weil Gefälle und Ablauf neu aufgebaut werden.
Anstriche und Folien auf Platten sind keine Plattenarbeiten, und die Merkblätter des Plattenverbands behandeln sie nicht. Eines sollten Sie aber wissen, bevor Sie streichen: Wer später doch neue Platten verlegen will, muss solche Schichten in der Regel wieder entfernen. Für Aussenbeläge verlangt Ceruniq zum Beispiel einen Untergrund, der frei ist von «Anstrichen oder haftungsmindernden Schichten».
| Frage | Spricht eher für Überkleben | Spricht eher für Rückbau |
|---|---|---|
| Zustand des alten Belags | fest haftend, tragfähig, eben | hohl klingende, lose oder gerissene Platten |
| Aufbauhöhe | Türen, Schwellen und Anschlüsse vertragen einige Millimeter mehr | Türen müssten gekürzt, Anschlüsse versetzt werden |
| Nassbereich | trockener Raum oder Wand ausserhalb des Spritzwassers | Dusche und Wannenbereich, wo eine neue Abdichtung nötig ist |
| Untergrundrisiko | keine Hinweise auf Feuchte oder Risse | Feuchteschäden oder Risse im Untergrund |
Die Tabelle ersetzt keine Besichtigung; sie zeigt, welche Punkte der Plattenleger prüfen wird. Stammt der alte Belag aus der Zeit vor 1990, gehört unabhängig von der Variante eine Asbestabklärung dazu, wie der Abschnitt unten erklärt.
Eine unabhängige Preiserhebung gibt es nicht. Das Vergleichsportal Daibau nennt folgende Richtwerte, ohne seine Datenbasis offenzulegen:
| Position (Daibau) | Richtpreis |
|---|---|
| Alte Platten entfernen inkl. Abtransport zur Deponie | 30–63 CHF/m² |
| Untergrund ausgleichen | 42–82 CHF/m² |
| Grundierung | 7–15 CHF/m² |
| Entfernen alter Platten im Badbeispiel mit 10 m² Boden und 28 m² Wand (rund 38 m²) | 1’100–2’400 CHF zusätzlich |
Beim Überkleben fallen die Rückbaukosten weg, dafür kommen Positionen wie Reinigen oder Anschleifen, Haftbrücke, Ausgleich und Anpassungen an Türen und Anschlüssen dazu. Welche Variante günstiger ist, zeigt erst eine Offerte nach Besichtigung, in der beide Wege Position für Position ausgewiesen sind. Wie Plattenleger allgemein abrechnen, erklärt unser Ratgeber Was kostet ein Plattenleger pro Quadratmeter?.
Bei älteren Häusern gehört vor jedem Rückbau eine Frage dazu. Das Bundesamt für Gesundheit hält fest: «In Häusern, die vor 1990 erstellt wurden, ist mit verschiedenen asbesthaltigen Materialien zu rechnen.» In der Schweiz gilt seit 1989 ein breites Asbestverbot. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen laut BAG spätestens vor Eigenrenovationen oder vor der Vergabe von Aufträgen an Handwerker entsprechende Abklärungen treffen; jede Bearbeitung asbesthaltiger Bauprodukte, auch kleine Reparaturen, verlangt Schutzmassnahmen. Die BAG-Broschüre «Asbest im Haus» nennt ausdrücklich Wand- und Bodenbeläge unter den Orten, an denen Asbest vorkommen kann. Besonders relevant beim Plattenrückbau ist der Kleber: Gemäss Suva-Factsheet 33077 wurden keramische Boden- und Wandplatten bis 1990 häufig mit asbesthaltigem Kleber montiert; in älteren Gebäuden ist deshalb davon auszugehen. Beim Entfernen solcher Platten ist mit einer grossen Freisetzung von Asbestfasern zu rechnen. Die Suva stuft die Arbeit als gefährlich ein und behält sie anerkannten Asbestsanierungsunternehmen vor; das im Factsheet beschriebene Verfahren für kleine Flächen ist nur bis 5 m² Plattenfläche zulässig. Ob ein Material Asbest enthält, lässt sich bei Verdacht nur mit einer Materialanalyse im Labor feststellen.
Mieterinnen und Mieter dürfen Erneuerungen und Änderungen an der Wohnung nach Art. 260a OR nur vornehmen, wenn die Vermieterschaft schriftlich zugestimmt hat. Im Stockwerkeigentum betrifft ein neuer Bodenbelag oft auch den Trittschall gegenüber der Wohnung darunter; das Reglement kann dazu Vorgaben enthalten. Klären Sie beides, bevor Sie Offerten einholen.
Platten auf Platten zu verlegen ist eine Option, kein Standard. Es kann bei festen, ebenen Altbelägen in trockenen Räumen sinnvoll sein. Im Nassbereich ist der Rückbau meist die sicherere Wahl, weil die Abdichtung unter dem neuen Belag funktionieren muss und ein alter Plattenbelag in der Liste der zulässigen Untergründe für Verbundabdichtungen nicht vorkommt. Lassen Sie den alten Belag prüfen und beide Varianten offerieren. Betriebe, die Bäder und Böden erneuern, finden Sie unter Badsanierung und Plattenboden verlegen sowie im Verzeichnis der Plattenleger.